KONTINUITÄT IM WANDEL
»Kein anderes Land dieser Erde besitzt eine derart lange Kontinuität seiner Kultur, und darauf sind die Chinesen auch ganz besonders stolz.«
Petra Häring-Kuan / Yu-Chien Kuan
China und die Welt blicken nach Beijing. Dort haben am 8.8.2008 abends um 8 Uhr 8 die Olympischen Spiele begonnen. Ein gigantisches Spektakel, auf das sich die Stadt seit sieben Jahren unter Hochdruck vorbereitet hatte. Damit aber auch wirklich alles in harmonischen Bahnen abläuft, gingen die Veranstalter auf Nummer sicher und wählten als offiziellen Beginn die Häufung der absoluten chinesischen Glückszahl „Acht“. Hoffen wir, dass die Welt auf so viel Mühe freundlich reagiert.

Petra Häring-Kuan
Yu-Chien Kuan
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ATEMBERAUBENDE ENTWICKLUNG
Für viele unerwartet mausert sich das ehemals rückständige China in atemberaubendem Tempo zu einem Hightech-Land. Im Westen beobachtet man diese Entwicklung mit Wohlwollen, aber auch mit wachsender Skepsis. Manche sehen in Chinas Aufschwung den Grund für Stagnation und Wirtschaftsflaute im eigenen Land. Dass China plötzlich auf der weltpolitischen Bühne mitspielt, führt zu Verunsicherung. Zu sehr ist man im Westen an die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vorherrschaft Europas und Nordamerikas gewöhnt.
Mit den dramatischen Veränderungen tun sich aber auch die Chinesen schwer. Besonders die älteren Menschen kommen mit der neuen Zeit kaum zurecht. Sie waren an ein soziales Netz gewöhnt, an die so genannte „eiserne Reisschale“, als sich der Staat um seine entmündigten Bürger kümmerte und von der Geburt bis zur Beerdigung alles organisierte. Heute muss jeder selbst sehen, wo er bleibt. Dazu entwickelt sich die Agrargesellschaft langsam zur Industriegesellschaft. Damit einhergehend vollzieht sich ein tief greifender Wertewandel. Galten früher die Parole „dem Volke dienen“ und Armut als ein Zeichen von Anstand, zählen heute in erster Linie persönlicher Erfolg und Reichtum.
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KULTURELLE KONTINUITÄT
China ist so groß wie ein Kontinent und in vieler Hinsicht ein Land der Superlative. Vor allem aber ist China ein Land mit 1,3 Milliarden Menschen und damit das volkreichste der Erde. Wie lassen sich so viele Menschen regieren und in ein modernes Zeitalter führen? Es fällt schwer, von den Chinesen zu sprechen. Zu groß sind die Unterschiede in Körperbau, Physiognomie, Temperament und Mentalität, ähnlich wie sich Nord-, Süd-, West- und Osteuropäer voneinander unterscheiden. Nur eines ist in China anders: In vorchristlicher Zeit gab es dort einen Konfuzius, dessen überlieferte Lehre die Menschen prägt. Seitdem lebten sie in einem meist geeinten Reich, unter einer zentralen Führung und einem einheitlichen Gesellschafts- und Moralsystem. Auf etwa fünftausend Jahre Kulturgeschichte blicken die Chinesen zurück, darunter auf fast dreitausend Jahre mit
authentischer Geschichtsschreibung. Kein anderes Land dieser Erde besitzt eine derart lange Kontinuität seiner Kultur, und darauf sind die Chinesen auch ganz besonders stolz.
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