Lebenskunst & Philosophie | Wu Wei

WU WEI

Berührende Begegnung


Wie tief der Daoismus westliche Menschen bewegen kann, zeigt Wú Wéi – eine Novelle über Kunst, Liebe und Dao. „Wuwei“ ist ein zentraler daoistischer Begriff. Er bedeutet wörtlich „Nichthandeln“ und wird auch als absichtsloses Handeln oder ein „nicht wider die Natur Handeln“ verstanden. Heute ist es über hundert Jahre her, dass Henry Borel die daoistische Lehre des Laozi in eine anrührende Erzählung über die Begegnung zwischen einem Europäer und einem daoistischen Meister kleidete. Zwischen den Männern entspinnt sich ein Gespräch, in dem der Weise die Essenz des Daoismus in einer dem Leben sehr zugewandten Weise verständlich macht und dadurch dem westlichen Leser einen direkten Zugang zu der chinesischen Weisheitslehre eröffnet.

Der Begriff Wu Wei begründet sich aus der daoistischen Auffassung vom Dao, dem umfassenden Ursprung und Wirkprinzip, das die Ordnung und Wandlung der Dinge bewirkt, so dass es nicht weise wäre, in das Walten dieses Prinzips einzugreifen. Die letzte Wahrheit ist gemäß dieser Lehre eins und handelt spontan ohne dass der Geist des Menschen in sie eingreifen müsste. Die Rückkehr zum Ursprung kann nur erfolgen, wenn das dualistische Denken aufgegeben wird und die Handlungen natürlich und spontan erfolgen.


Wu Wei bedeutet nicht, dass man gar nicht handelt, sondern dass die Handlungen spontan in Einklang mit dem Dao entstehen und so das Notwendige getan wird, jedoch nicht in Übereifer und blindem Aktionismus, die als hinderlich betrachtet werden, sondern leicht und mühelos. Es ist ein Zustand der inneren Stille, der zur richtigen Zeit die richtige Handlung ohne Anstrengung des Willens hervortreten lässt. Aus dieser Haltung des Geschehenlassens resultieren auch Gewaltlosigkeit und Widerstandslosigkeit als natürliche Folge.






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